Schreibwettbewerb: Sommerszene für den Schreibzeug-Podcast 2025 #1

Disclaimer: Dieser Artikel wird Einfluss vom Schreibstil von Homo Faber haben, weil ich das im Moment lese und meinem Gehirn freien Lauf lassen will. Das heißt, ich schreibe in dem Ton, der mir gerade leichtfällt.

Ich bin diesen Sommer auf die Suche nach Schreibwettbewerben gegangen, an denen ich teilnehmen kann, weil ich realisiert habe, dass ich das einfach machen kann. Ich brauche keine Qualifizierung, es kostet nichts und bringt nur Vorteile mit sich.
Sogar Niederlagen kann ich einerseits damit relativieren, dass meine Texte zwar gut waren, aber andere Teilnehmende Werke von gleicher Qualität eingereicht haben, wodurch nicht jeder gewinnen kann, andererseits damit, dass ich erst mein Handwerk vernünftig erlernen muss, bevor ich dafür Preise einheimsen kann.

Mein Bestreben, an Schreibwettbewerben teilzunehmen, hat drei grundlegende Motive:

  1. Accomplishment
    Wenn das Imposter Syndrome sich einschleicht, ist die beste Waffe ein physischer Gegenbeweis. Ich kann einfach in meine Mails gehen und bemerken: „Hey, ich habe mich dieses Jahr für drei Schreibwettbewerbe beworben, ich war nicht untätig!“
    Selbst wenn die Aufgaben klein oder schlecht bewältigt waren, war der Haken darunter gesetzt und das reicht mir für einen kleinen Stolzmoment.
  2. Gewinnen
    Auch wenn es für mich (überraschenderweise) nicht der Hauptgrund ist, ist das Gewinnen eines Schreibwettbewerbs mit einigen angenehmen Konsequenzen verbunden. Veröffentlichung, Vernetzung, Traffic und teilweise Geld- oder Sachgeschenke sind defintiv zielführend für meine schriftstellerische Karriere.
  3. Textproduktion
    Mein ADHS arbeitet nicht for free. Die Logik: Wenn ich mich selbst belohnen muss, um etwas zu tun, dann kann ich mir die Belohnung auch direkt holen. Mit externen Aufgaben verhält es sich ganz anders, denn ich kann nicht bei den Veranstaltenden einbrechen und das Preisgeld stehlen. Für diesen Gewinn muss ich tatsächlich besser werden, und wenn ich besser werden will, muss ich so viel wie möglich mit Texten arbeiten.

Zur Suche nach geeigneten Wettbewerben habe ich mich größtenteils auf die Website literaturcafe.de verlassen und mir eine kleine Tabelle gemacht, die ich ehrgeiziger abarbeiten wollte, als ich tatsächlich konnte. Ich habe an drei von circa. 15 Wettbewerben teilgenommen.

Der Wettbewerb, von dem ich zuerst Rückmeldung erhalten habe, ist vom Podcast Schreibzeug eines Literaturkritikers und einer Autorin. Sie haben diesen Sommer nach saisonalen Szenenbeschreibungen gesucht, die abseits von Klischees liegen. Damit habe ich meine erste Niederlage eingefahren, und im Nachhinein weiß ich auch, wieso. Sieh selbst:

Klamm schälte sich das Bettlaken vom rotgebrannten Rücken, als er sich aufsetzte. Durch das offene Fenster wehte eine verlogene Brise, die nach Abkühlung roch, doch sie nicht brachte. Beim Aufstehen fiel er beinahe über das Verlängerungskabel des Ventilators, der schon im letzten Jahr den Geist aufgegeben hatte.
Eigentlich hatte er lediglich vorgehabt, sich Wasser zu holen. Als er jedoch an seinem Laptop vorbeischlurfte, blieb sein Blick kleben wie kurz darauf seine Beine am Kunstlederstuhl.
Draußen war es noch hell, aber die Spielstraße war völlig leergefegt. Nur das zeitweise Summen der Fliegen erinnerte daran, dass außer ihm noch andere Lebensformen bestanden.
“Findest du Sommernächte auch so magisch?”, schrieb er seiner besten Freundin, “Als würde jede Maske verdampfen und man in seine eigene, wahre Form schmelzen.”
Er ging hinüber zum Fenster, um den Blick über die Dächer schweifen zu lassen.
Kurz darauf kam schon die Antwort.
“Keine Ahnng, bin drunk”
“Musst du nicht morgen arbeiten?”
“ja”
Er schmunzelte, dann zögerte er.
“Ist Robert da?”
“ja mit seim neuen”
Das Rattern von Jalousien im Nachbarhaus ließ ihn zusammenzucken.
Dann fasste er sich ein Herz.
“Schick mir deine Location.”

Grübeln und Kübeln, 2025 von Siento Wege

Mir gefällt der Stil und die Idee ganz gut, denke aber, dass sie zu groß für eine knappe Szene ist.
Erst beschreibe ich eine unangenehme Hitze, dann reagiert der Protagonist ungewöhnlich fröhlich auf das Wetter. Das könnte einen humoristischen Effekt haben, wenn ich es weiter ausbauen würde, aber ich springe direkt zur nächsten Ablenkung, alias der besten Freundin. Bevor mensch die verarbeiten kann, wird Robert erwähnt – who the fuck is Robert – und zack, boom, Entscheidung, tschüss, aus.
Beim nächsten Mal würde ich wahrscheinlich mehr Vertrauen haben, dass Beschreibungen, die mehr als zwei Sätze umfassen, Lesende nicht langweilen – das ist ein Makel von mir. Immer zu schnell unterwegs. Anyway-

Siehst du es genau so oder hast du noch andere Anmerkungen? Kommunizier es mir gern in die Kommentare oder über das Kontaktformular.


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